
Die Nacht vom 8. auf den 9. August habe ich nicht sehr gut geschlafen. Es regnete fast die ganze Nacht durch und meine Befürchtungen zur nächsten Wegstrecke stiegen von Stunde zu Stunde wie der Pegel des Sarnersees. Trotzdem versuchte ich einigermassen zu schlafen, was mir jedoch nicht ganz gelingen wollte. Fast alle zwei Stunden wachte ich auf und hörte wie es draussen in Strömen regnete, schlief aber immer wieder ein. Am Morgen nach dem Besuch der Laudes der Klostergemeinschaft und dem anschliessenden Gottesdienst, liess der Regen etwas nach. Hoffnung stieg in mir hoch...Dennoch musste ich mich wieder auf einen feuchtnassen Wandertag einstellen. Sr. Rut-Maria hielt mich auf dem Laufenden über Pegelstand des Sees oder irgendwelche Streckenunterbrüche. Vermutlich wäre der Seeweg nicht begehbar, da er unmittelbar am See entlang führe. Es wäre daher wohl besser den Jakobsweg bis Giswil entlang der Kantonsstrasse auf dem Trottoir gehen, was dann auch so war. Im Verlauf des Morgens liess dann der Regen nach und der Himmel hellte sich etwas auf. In Giswil holte ich dann nochmals weitere Informationen über die Bergstrecke zum Brünig ein. Auf dem Reisebüro der Bahn konnte man mir jedoch nichts Nennenswertes über Unterbrüche oder Erdrutsche sagen. Die Entscheidung lag also wieder ganz bei mir. Und so entschied ich mich den Jakobsweg auf der vorgegebenen Route zu begehen. Der Regen hielt sich mehr und mehr zurück und ab Lungern wagte ich es meinen Poncho im Rucksack zu verstauen. Auf dem Weg zum Brünig war ich wie fast immer, allein. Überall quollen kleine Bächlein aus der Erde und strömten über Wiesen und Felder. Wenig unterhalb des Brünigs hatte sich sogar ein mittelgrosser See in einer Senke gebildet. Kurz nach Mittag erreichte ich die Passhöhe, wo ich mir dann eine kleine Pause bei einer heissen Tasse Schokolade gönnte. Der Abstieg nach Brienzwiler und weiter nach Brienz war sehr romantisch und geheimnisvoll. Leichter Nebel durchstreifte den Bergwald und schien dem Weg einen mystischen Zauber zu verleihen. Hinter manch einem Baum sah ich schon tanzende Elfen in luftigen Kleidchen oder kleine Berggeister, die mir frech hinterherspionierten. Schon bald lichtete sich aber der Bergwald und ich konnte in der Ferne den Brienzersee erkennen. Am Himmel tauchten erste blaue Flecken auf und die warmen Sonnenstrahlen streichelten die nassen Berghänge. Jetzt wird es wohl doch besser, dachte ich mir. Mein Herz jubelte auch schon und die Beine schienen wie von selbst meinem Ziel entgegen zu gehen. Um 16h traf ich dann wie abgemacht bei Denise in Brienz ein.
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